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erste Woche in Chandigarh

Am Samstag nachmittag bin ich mit dem Zug von Delhi nach Chandigarh gefahren. Ich hatte ein Ticket in einem besseren Zugabteil (eine Art erste Klasse). Im Zug gab es eine Klimaanlage und ich hatte einen Sitzplatz reserviert. Ich saß in einem Vierersitz zusammen mit einer indischen Familie. Relativ am Anfang der Fahrt hat mich die Frau der Familie auf deutsch gefragt, ob ich aus Deutschland komme. So kamen wir ins Gespräch und letztendlich haben wir uns die ganze Fahrt unterhalten und sie hat mir einige Sätze auf Hindi aufgeschrieben (mit deutscher Übersetzung). Sie hat sich sehr gefreut mal wieder deutsch üben zu können. Mit ihrem Mann hat sie zwei Jahre in Deutschland gelebt. Die Familie war wirklich sehr nett. Während der Fahrt haben wir Wasser, Saft und einen Snack zu essen an unseren bekommen (das war alles im Preis inklusive). Am Bahnhof wurde ich dann von AIESECern abgeholt. Sie haben mich zu einer AIESECerin (Balpreet) gebracht, wo ich dann zusammen mit der Mutter (war erst etwas seltsam) in einem Zimmer geschlafen habe. In der Familie ist der Fernseher ständig gelaufen. In den Serien und Filmen geht es oft um "arranged marriages" (Verheiratung), was hier in Indien die normale Art ist, also die Eltern suchen einen Partner für ihre Kinder. Dieser muss aus der gleichen Kaste kommen. Ich habe mich dann länger mit Balpreet darüber unterhalten und sie hat erzählt, dass ihre Mutter vor der Hochzeit noch nicht mit ihrem Vater gesprochen hat. Sie hat ihn nur gesehen. Sie hat gesagt, dass sie auf keinen Fall eine "arranged marriage" will und sie hofft, dass ihre Eltern das akzeptieren. Die Religion der Familie ist Sikh. In Nordindien gibt es wohl viele Sikh, aber insgesamt ist es trotzdem eine Minderheit in Indien. Die meisten sind Hindus.

Am Sonntag bin ich dann zusammen mit einer anderen Praktikantin aus Armenien zu unserem Chef nach Hause gegangen, wo wir bis jetzt auch wohnen. Unser Chef (Ankur) und seine Frau sind wirklich sehr nett. Wir essen jeden abend mit ihnen und sie helfen uns bei allem, was wir brauchen.

Am Montag hat dann das Praktikum angefangen. Wir waren erst in dem Büro, das relativ klein ist und dann sind wir zu einem Treffen an einer Uni gegangen, um dort mit einigen Studenten und Direktoren zu reden. Meine Organisation (Triniti) bietet Trainings für Studenten an, sowohl in Bezug auf technische / mathematische Themen, als auch zu Soft Skills. Ankur hat dann die andere Praktikantin (Marianna) gefragt, ob sie was zu Trainings zu Bewerbungsgesprächen sagen kann, da sie in Armenien im Bereich Personalauswahl tätig ist und somit viel Erfahrung damit hat. Danach hieß es auf einmal, dass ein Trainer nicht kommen kann und ob sie nicht gleich ein Training zu diesem Thema machen kann. Ich habe erst mal nur zugeschaut.

Am Dienstag waren wir wieder bei einem Treffen mit Direktoren einer Uni. Im Moment ist sozusagen eine Werbephase, in der sie an verschiedene Unis fahren, um ihnen ihre Trainings anzubieten. Am Nachmittag hatten wir frei. Marianna und ich sind zu einer Art Markt bzw. Shopping Center gegangen, wo sehr viele Geschäfte nebeneinander sind. Dort haben wir uns Kurties gekauft (indische Oberteile, die in etwa bis zu den Knien gehen). Wenn wir Trainings geben, ist das deutlich angenehmer, da sie meisten Frauen hier lange Kleidung tragen.

Am Mittwoch sind wir in eine andere Stadt (Amritsar) gefahren (4 Stunden Fahrt), um dort Gruppendiskussionen zu leiten. Wir sind um 5 Uhr morgens losgefahren und kamen um 22Uhr zurück, aber es war ein schöner Tag. Wir haben dort andere Trainer getroffen, die sehr nett sind und wir hatten 2 Stunden Pause, in der wir im Gästehaus entspannen konnten.

Am Donnerstag und Freitag war es etwas entspannter, da haben wir die meiste Zeit Multiplechoice-Tests von Studenten korrigiert. Heute hatten wir ein Training darüber, wie man einen Lebenslauf schreibt und über Bewerbungsgespräche. Es war eine kleine Gruppe mit ca. 7 Studenten. Sonst sind es ca. 50 bis 60 Studenten in einem Training. Das Ziel von Triniti ist es, die Studenten auf den Bewerbungsprozess etc. nach dem Studium vorzubereiten.

Was für mich sehr ungewohnt ist, ist die starke Hierarchieaufteilung. Ankur und seine Frau haben eine Hausfrau, die kocht und auf seine Tochter aufpasst. Wenn wir im Wohnzimmer sitzen, bedient sie uns und auch beim Essen. Am ersten Tag kam sie gleich morgens in unser Zimmer und hat uns Tee und eine Zeitung ins Zimmer gebracht. Wenn wir morgens aus dem Haus gehen, trägt die Hausfrau teilweise noch Ankurs Tasche raus. Dann wartet unten der Fahrer im Auto und fährt uns ins Büro. Dort wartet dann der Jungs vom Büro, der seine Tasche entgegen nimmt und uns tagsüber mit Wasser, Cola und Tee versorgt. Mittags macht er das Essen warm. Er verdient ca. 30 Euro im Monat. Deshalb können sich die Leute so viele Helfer leisten. Bei den Treffen mit den Direktoren wird immer wieder hervorgehoben, welche Titel wer hat. Es ist hier sehr wichtig einen Titel zu haben.

Ansonsten geht es mir gut. Chandigarh ist eine relativ westlich geprägte Stadt. Hier ist es grün, es gibt einen See und einige Parks zum Entspannen. Es ist die reichste Stadt in Indien und es ist relativ sicher hier. Es ist etwas ungewohnt so viel Kontakt mit der reicheren Schicht zu haben, da ich in Peru vor allem mit der armen Schicht zu tun hatte. Aber es ist auch interessant mal eine andere Seite kennen zu lernen. Es ist auf jeden Fall wieder eine Lernerfahrung!

Viele Grüße aus Indien!

Magalie

13.8.11 18:47

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